Kann bitte endlich einer dieses Wetter reparieren. Ja richtig, ich gehöre zu denen, über die ich früher nur fassungslos den Kopf schütteln konnte – die Gut-Wetter-Nörgler. Nicht falsch verstehen, die Sonne ist wunderbar! Aber 25 Grad im Oktober machen mich fertig. Ich will meine neuen Stiefel tragen, mich in Schals einwickeln, auf dem Sofa einkuscheln, Pumpkin Spice Latte trinken, verregnete Tage auf dem (noch nicht gekauften) Teppich verbringen und Musik hören. Es ist Herbst und ich vermisse ihn.

Das sich neigende Jahr, lädt ein zum Revue passieren. 2018 hat historischen Charakter, nicht nur für mich. Mein Umfeld ist voll von Geschichten und Ereignissen, die im Gedächtnis bleiben. Trennung, Hochzeit, Neuanfang, Umzug, Geburt, Krankheit, Sterben, Veränderung. Beängstigend und erfreulich zugleich. So viele Emotionen. So viel Leben, in allen nur denkbaren Facetten.

Ich habe es gesehen, das kleine mopsige Menschlein, das schlüpfte. Augen gefüllt von Tränen des Verlustschmerzes. Das Freudestrahlen einer Braut. Das Pulsieren verliebter Herzen. Die Wut des verlassenen Partners. All das und so so viel mehr.

Zeit, wo bist du nur hin. Warum rennst du so? Mach doch langsam, atme. Keine drei Jahre mehr bis zur 30. Keine drei Monate mehr und der Kalender ist abgelaufen. Keine Zeit und die Rettung der Welt als Aufgabe.

Nicht die Welt, aber mich selbst habe ich gerettet. Ungeplant, überraschend, schnell. Es war an der Zeit. Zeit für mich. Beinahe alle Pläne änderten sich wieder und wieder. Heute war vor 12 Monaten undenkbar. Zurück in den Oktober 2017 will ich nicht. Heute bin ich am absolut richtigen Fleck. Und trotzdem reise ich manchmal zurück in die Erinnerung. Und trotzdem tut es manchmal noch weh. Trotzdem vermisse ich, manchmal.

Sicherlich hätte ich, mit dem Wissen von heute, damals einiges anders gemacht. Doch hätte es was geändert? Wäre ich woanders? Glücklicher, trauriger? Was wäre wenn. Es spielt keine Rolle. Was passiert ist, lässt sich bekanntlich nicht ändern. Wer weiß ob Zeitreisen jemals möglich sind und ob sie nicht mehr Chaos als Freude bringen. Fehler sind wichtig. Sie sind der Motor unseres Wachsens. Es gibt keine Gebrauchsanleitung zur Geburt. Wir müssen uns selbst durchs Leben wurschteln, mal besser und mal weniger. Ich finde das gut so.

Der Sommer darf actionreich und draußen sein. Sonne tanken, schwitzen, ganz viel unterwegs. Und der Herbst darf kuschelig und drinnen sein. Lecker und warm, rötlich und frisch, ruhig und gemütlich. Im Februar hatte ich Angst vor diesen dunklen, eisigen Tagen. Der Ausblick darauf war durchgehend finster. Auch dieser Blick hat sich verändert. Strahlend orange ist er heute. Lächelnd und irre happy.

Hallo Herbst. Du darfst dich jetzt zeigen. Hab keine Angst, wir freuen uns auf dich.

Habt keine Angst, ihr da draußen. Nicht vor Entscheidungen, nicht vor Veränderung. Seid mutig, seid selbstsicher. Sagt was ihr wollt und was nicht und handelt. Quält euch nicht, befreit euch. Seid ehrlich zu euch selbst und dann zu der Welt.

„Don´t consume. Create.“

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