Es klingelt, der Hund fängt an zu bellen. Das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt, nehme ich den Vierbeiner auf den Arm und öffne die Tür. Ein kurzer Blick zu Jeanny, dann wende ich mich von ihr ab und dem Gespräch wieder zu. Höchstens fünf Schritte von der Tür entfernt bleibe ich stehen, lasse den Hund wieder runter, rühre mich nicht mehr.

„Es tut mir so schrecklich leid Steffen… es tut mir so leid…“
Tränen rennen über meine Wangen.

„Ich muss auflegen, ich kann nicht mehr…bis dann.“
Noch immer am selben Fleck stehend, spüre ich ihre Anwesenheit, direkt hinter mir.

Ich lege auf und lasse los.
Ich sinke zu Boden, meine Knie halten mich nicht länger.
Kann nicht atmen, nicht weinen – ich schreie.

Ihre Arme legen sich um meinen Oberkörper und drücken zu.
Die Welle des Schmerzes rauscht durch meine Glieder, ungebremst, unaufhörlich.

Wie eine Gänsehaut, nur innerlich.
Wie tausend Nadelstiche, nur innerlich.
Wie Atemnot, im Herzen.
Wie Leere, nur voller Dunkelheit.
Wie ein Rausch, in Richtung Hölle.
Liebe, die sich nach Tod anfühlt.

Nebel zieht auf, verschlingt mich, macht mich bewegungsunfähig. Kann nicht reden, kann nicht denken – nur noch zittern. Mein Brustkorb ist leer, mein Kopf verwüstet.

I have lost all faith.

Meine größte Angst, der Alptraum meiner Alpträume, steht vor mir, packt meinen Arm und reißt mich in die Tiefe.

 

Wochen ist dieser Donnerstagabend her, viele weitere Abende dieser Art suchten mich seitdem heim. Ich sehe gerade auf den Kalender und erinnere ich mich an die letzte Welle: Wieder ein Donnerstag, der 15.03.2018 – auf den Tag genau zwei Monate nachdem alles begann. Es war auf dem Heimweg, Musik in den Ohren, frische Luft in der Nase, als sich ein bekanntes, unangenehmes Gefühl breitmachte. Knapp zwei Wochen lang flog ich hoch und fühlte Hoffnung, bis sie mich wieder verließ, bis zu diesem Moment. Jeder Schritt wurde schwerer, jede Bewegung mühseliger. Ich wusste was mich erwartet, nur nicht warum. Die Tür ging auf, ich ließ alles fallen, setzte mich aufs Sofa, drehte die Lautstärke weiter auf und gab mich dem Schmerz hin.

Darkness has taken over my life.

Draußen war es hell, in mir alles pechschwarz. Ich versuchte zu schreiben, einen klaren Gedanken zu fassen. Das Einzige was ich zustande brachte war Wut, Hass, Trauer, Unverständnis. Wie konnte es nur so weit kommen? Was ist aus all der Liebe geworden? Warum?

Einsamkeit fraß sich durch meine Organe.

Zum ersten Mal seit jenem Donnerstag konnte ich wieder schreien. Dieses Band was mich so viele Jahre zusammenhielt, welches prächtig gewachsen war und unzerstörbar schien, löste sich aus meiner Hand. Das Unvorstellbare übernahm meine Realität. Meine längste und stärkste Verbindung, zu einem anderen Herzen, erreichte ein unerträgliches Maß an Qual.

Ich werde dich jetzt loslassen, weil es nicht mehr anders geht.
Erkenntnis die ich nicht will und nun alles ist, was übrig ist.

Du tust mir nicht mehr gut. Die einen Worte, die niemals Verbindung zu dir fanden, bis heute.

Das Bedürfnis mich zu beschützen, mein Leben wieder zurück zu bekommen stellt das nach deiner Nähe in den Schatten. Ich möchte heraus aus der Dunkelheit, denn ich habe Licht gesehen. Ich möchte die Sonne zurück, denn ich habe Wärme gespürt. Das Buch mag nicht zu Ende zu sein, doch dieses Kapitel wird jetzt abgeschlossen.

Fortsetzung folgt.

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